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25 Jahre mairisch - Teil 3: Neue Ufer und alte Lieben (2009-2012)

Von Daniel Beskos

 

Freundinnen, Freunde!

Wir sind selbst etwas ungläubig - 25 Jahre gibt es den mairisch Verlag jetzt schon! Am 31. August 1999 sind wir (Blanka Stolz, Peter Reichenbach & Daniel Beskos) zum Gewerbeamt im südhessischen Rodgau gelaufen, schick angezogen, mit seltsamen Frisuren und einer Flasche Sekt und haben mairisch angemeldet. Wie es dazu überhaupt kam und was in den 25 Jahren alles passiert ist, wollen wir hier in unserer Blogserie erzählen. Wir haben tief in unseren Archiven gewühlt und jede Menge lustige Fotos, Flyer, Plakate und Videos ausgegraben. Viel Spaß - hier die Jahre 2009-2012!

Bücher machen!

 

Nach dem Ende unserer Lesereihe TRANSIT 2008 widmeten wir uns noch mehr als zuvor der Verlagsarbeit. In den nur vier Jahren von 2009 bis 2012 sind eine ganze Reihe für uns sehr wichtiger Projekte erschienen - so etwa zwei großartige Romane von Michael Weins (Delfinarium und Lazyboy), spannende Romandebüts von Donata Rigg (Weiße Sonntage) und Hannes Köhler (In Spuren), unsere allererste Übersetzung (der Roman Der Kanal vom britischen Autor Lee Rourke), sowie zwei der wahrscheinlichsten besten Erzählbände, die in Deutschland (unserer Meinung nach, na klar...) je erschienen sind: Monster von Benjamin Maack und Gestern war auch schon ein Tag von Finn-Ole Heinrich (beide heute noch als Taschenbücher bei btb erhältlich):

 

Zum Erscheinen von Monster hatte sich Benjamin Maack etwas ganz besonderes ausgedacht: 24 Stunden, 24 Lesungen hieß die Veranstaltung in der Hamburger Hasenschaukel auf dem Kiez. Benjamin hatte sich diverse Autor*innen, Musiker*innen und andere Gäste eingeladen, die mit ihm Musik machten, diskutierten, lasen, kochten, ihn wach hielten, Superhelden spielten, seine Psyche analysierten, Kaffee machten, und sich am nächsten Tag alle glücklich in die Arme fielen. Eine einmalige, unvergessliche Veranstaltung.

 


 

Halbwegs neu war damals auch das Format der Lesevideos - 10 Seiten aus dem eigenen Buch, zum Teilen im Netz:

 


Neue Genres

 

Im Rahmen von Kaffee.Satz.Lesen hatten wir auch Stevan Paul kennengelernt und mit ihm und Sven Heine zwei schöne Anthologien herausgebracht. Nun war Stevan damals nicht nur als Veranstalter und Moderator bekannt, sondern betrieb auch den Pop- und Koch-Blog Dem Herrn Paulsen sein Kiosk (den er dann später als Foodblog Nutriculinary weiterführte), auf dem regelmäßig wunderbare kurze, oft auch literarische Texte erschienen. Als gelernter Koch schrieb er vor allem über sein Lieblingsthema: Die Kulinarik. Alles rund ums Essen, Trinken und Kochen vermittelt er mit einer unvergleichlichen Begeisterung. Irgendwann schlug er uns vor, einen Band mit literarischen Erzählungen vom Kochen zu machen, zu jeder Geschichte gab es ein Rezept, das in der Geschichte eine Rolle spielte. Dieses Konzept funktionierte so wunderbar, dass wir gleich zweimal Erzählbände von Stevan veröffentlichten: Monsieur, der Hummer und ich (2009) und Schlaraffenland (2012) - beide gehören bis heute zu unseren erfolgreichsten Titeln.

Zu den Buchpremieren lieferte das Buchkonzept natürlich eine Steilvorlage: In Zusammenarbeit mit verschiedenen Restaurants gab es Menülesungen, bei denen 4 Gänge (passend zu 4 Rezepten aus dem Buch) serviert wurden, dazwischen las Stevan die entsprechenden Geschichten. Sehr lecker - und sehr schnell ausverkauft, die Abende!

 



 

Auch in andere Genres wagten wir uns vor: Mit Auf meine Kappe von Finn-Ole Heinrich erschien unser erstes Hörbuch, außerdem der dritte Pressplay-Teil und in Zusammenarbeit mit dem Hamburger AFKAT-Förderpreis für Graphic Novels die ersten Bücher aus diesem Genre bei uns: Das Mädchen ohne Hände von Karin Kraemer und Flash Preußen von Tilo Richter und Jan Kottisch.

 

Bookends

 

2010 stand die 25. Veröffentlichung an, und weil wir uns schon lange zum einen mit der Idee beschäftigten, Songtexte zu veröffentlichen, wir uns zum anderen selbst gerne etwas Besonderes schenken wollten, wurde es statt einem Songtexte-Buchs lieber gleich eine LP voller Songs: Denn klar, Songtexte sind Literatur! Und wenn man die Musik gleich dazuliefern kann, umso besser.

Seit vielen Jahren haben gerade deutschsprachige Liedtexte einen großen Einfluss auf junge Autor*innen und deren Schreiben – sie sind zu wahren Bookends (Buchstützen) geworden. Und auch den mairisch Verlag gäbe es nicht ohne die Liebe zur deutschsprachigen Musik. Wir hatten sie zwar über die Jahre etwas aus den Augen verloren - jetzt aber umso freudiger wiederentdeckt!

 

Also versammelten wir 10 der besten aktuellen Songwriter*innen und Bands - mit Gisbert zu Knyphausen, ClickClickDecker und Jan Böttcher waren einige bekanntere Namen vertreten, daneben gab es aber auch junge, bislang noch weitgehend unbekannte Musiker*innen mit tollen Texten zu entdecken wie etwa Spaceman Spiff, Julian Gerhardt oder Vierkanttretlager. In limitierter Auflage, mit exklusivem Material und wie es sich gehörte: Nur auf Vinyl.

 

Und dann ging natürlich wieder das Lernen von vorne los: Wie und wo presst man überhaupt eine Schallplatte? Und wie kommt diese dann in die Läden? Wir wurschtelten uns durch. Carolin Rauen, die schon einige unserer vorherigen Veröffentlichungen gestaltet hatte und bis heute unsere Hausgrafikerin ist, steuerte ein tolles Cover bei - und die Platte konnte kommen! Hier die beteiligten Künstler*innen:

 

Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf

 

Kurz vor der Arbeit an Bookends hatten wir Ende 2009 bei einer Veranstaltung in Kiel den jungen Musiker Hannes Wittmer (aka Spaceman Spiff) kennengelernt und sofort ins Herz geschlossen. Seine wahnsinnig freundliche Art, kombiniert mit seinen großartigen Songs, war einfach zu bestechend. Finn-Ole Heinrich, der in Kiel mit Hannes aufgetreten war, beschloss: "Mit dem will ich auf Tour gehen."

 

Bei einem legendären Treffen im Hamburger Saal II wurde also der Plan gefasst: Eine Tour mit Literatur und Musik sollte es sein, eine Art Live-Hörspiel, dazwischen Songs und Texte. Möglichst lange, möglichst ausführlich, möglichst viele unterschiedliche Spielorte. Alle Kontakte der beiden zu diversen Veranstaltungsorten wurden zusammengetragen, um eine umfangreiche Tour planen zu können.

 

The day it all began (for us):  Spaceman Spiff am 4.11.2009 in Kiel
The day it all began (for us): Spaceman Spiff am 4.11.2009 in Kiel

Wir schlugen vor, dass die beiden doch dann auch eine gemeinsame CD mit dem Bühnenprogramm aufnehmen sollten, die man zur Tour mitnehmen könnte. Selten geschehen Veröffentlichungspläne so spontan und kurzfristig wie hier. Umso toller war das Resultat: "Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf" hießen Tour und CD der beiden. Es gab sogar einen Tourtrailer (siehe rechts)


 

Es wurden dann 26 Shows in 31 Tagen, die Tour führte Spaceman Spiff und Finn-Ole Heinrich durch Deutschland, Österreich und Polen. Ein besonderes, anstrengendes, intensives - und vor allem großartiges Abenteuer! Hier diverse Fotos:

 

Musik bei mairisch!

 

In der Zusammenarbeit mit Hannes Wittmer waren wir alle auf den Geschmack gekommen: Musik zu veröffentlichen machte Spaß! Und als Hannes uns fragte, ob wir uns nicht auch vorstellen könnten, seine regulären Alben zu veröffentlichen (das erste, Bodenangst, hatte er zuvor eher im Selbstvertrieb gehabt, das zweite Album stand gerade in den Startlöchern), mussten wir nicht lange überlegen. So entstand eine Zusammenarbeit, die bis heute andauert und über die sich nicht wenige Leute gewundert haben: Ein Buchverlag veröffentlicht die Alben eines Musikers?

Die Texte von Hannes Wittmer sind in ihrer literarischen Qualität allerdings wirklich etwas Besonderes und waren für unsere Entscheidung nicht unwesentlich verantwortlich. Über diese Texte haben wir im Zuge des dritten Albums Endlich Nichts bereits hier ausführlich geschrieben.

 


Finn-Ole Heinrich produzierte die ersten beiden Musikvideos von Spaceman Spiff - dazu musste sich Hannes u.a. für mehrere Stunden in Zeitlupe über den Hamburger DOM bewegen. Gar nicht so leicht für ihn, dabei ernst zu bleiben ...

 


 

Das Konzert zum Release des zweiten Albums und im fenster immer noch wetter fand in der Hamburger Prinzenbar statt - ein festlicher, spektakulärer Ort:

 

Buchmessen und Veranstaltungen, Reisen und Preise

 

Die schönsten Fotos entstehen oft auf Buchmessen - vermutlich, weil dort alle Leute zusammenkommen und nach einigen Messetagen auch schon deutlich im Quatsch-Modus sind. Aber in den Jahren damals ist daneben noch einiges mehr passiert - mit 19 anderen Verlagen erfanden wir 2009 zusammen die Hotlist - den Preis der unabhängigen Verlage, unser Autor Andreas Stichmann gewann beim MDR-Literaturpreis und nahm am Wettlesen um den Bachmann-Preis in Klagenfurt teil. Spaceman Spiff und Finn-Ole Heinrich wurden (als Teil des Buchmesse-Gastauftrittes 2011) nach Island eingeladen, Finn ging außerdem mit dem Unsortierten Orchester Oldenburg auf Tour und gewann 2012 zusammen mit Rán Flygenring den Deutschen Jugendliteraturpreis für sein Kinderbuch Frerk, du Zwerg (bei Bloomsbury, später Hanser).

 

Vor allem aber wollen wir gerne unseren ehemaligen Mitarbeiterinnen Silke Schipper, Judith Henning, Marijke Schwarz und Judith von Ahn danken, ohne die das alles kaum möglich gewesen wäre.

 


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Tel: +49 (0)40-6889 6755

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