Was macht eigentlich ein Verlag? Teil 3: Herstellung

Von Daniel Beskos

In den Teilen 1 (Manuskripte und Lektorat) und 2 (Grafikdesign und Buchgestaltung) unserer Blogserie haben wir jetzt also gesehen, wie wir bei mairisch Manuskripte auswählen, wie ein Text bearbeitet wird und wie das Ganze dann gestaltet wird. Parallel dazu läuft ein weiterer Prozess: Die Vorbereitungen für den Druck und die Überlegungen, wie das Buch ausgestattet werden soll. Das ist ein ziemliche aufwändiger Bereich, der aber für die meisten Außenstehenden (und oft auch für die Autoren) immer sehr im Hintergrund bleibt. Daher versuche ich an dieser Stelle einmal, die wichtigsten Punkte kurz vorzustellen.

Warum schöne Ausstattung wichtig ist

Wie wir in den Ausführungen von Carolin Rauen gesehen haben, lohnt es sich sehr, der Buchgestaltung ein großes Gewicht beizumessen. So sorgfältig man den Innenteil (also den Text) lektoriert, so liebevoll, detailversessen und nicht zuletzt schön soll auch die Form sein, in der der Inhalt dann präsentiert wird.

Dazu kommt aber noch ein weiterer Punkt: Wir glauben, dass viele Inhalte eigentlich viel sinnvoller digital stattfinden können. Gebrauchstexte zum Einmallesen, Anleitungen, Wörterbücher, Lexika, Reiseführer - nichts davon muss eigentlich noch unbedingt auf Papier erscheinen, dafür gibts super Apps und Online-Funktionen, E-Books usw.

Wenn man also davon ausgeht, dass ein physisches Format (= Buch) dem Leser einen Mehrwert bieten muss, um gegen die digitale Konkurrenz auch langfristig bestehen zu können, dann ist eine Möglichkeiten (unter vielen), das Buch als solches aufzuwerten - durch tolle Gestaltung, wilde Sonderfarben, besonderes/ausgefallenes Papier, Lesebändchen, geprägte Titelschriftzüge, Benutzung von Farben im Innenteil usw.

All das macht aus dem Buch dann etwas, was man nicht herunterladen kann. Etwas, das man in der Hand haben, anschauen, besitzen, verschenken will.

Bei unserem letzten Buch hat das unserer Meinung nach sehr gut funktioniert:

Warum ein guter Satz dem Inhalt hilft

Dazu gehört auch ein sorgsamer Umgang mit dem Innenteil - also das, was im Verlagswesen Satz heißt. Hier wird der Text erst in eine drucktaugliche Form gebracht. Und das ist nicht nur technisch gemeint. Hier in die Tiefe zu gehen, würde zu weit führen - aber es gibt wirklich viel zu beachten, von der richtigen Papiersorte (die eine gute Lesbarkeit des spezifischen Inhalts gewährleistet), über gute Schriften (die ebenfalls gut lesbar sind, dabei aber auch zeitgemäß und dem Charakter des Textes entsprechen) und den richtigen Satzspiegel (also die Größe und Position des Textes auf dem Papier) bis hin zur konkreten Satzarbeit an sich.


Allein letzteres ist ein ganzer Wissenskosmos für sich - es gibt einige großartige Bücher zu den Feinheiten des Satzes, allen voran die Bücher aus dem Verlag Hermann Schmidt mit Klassikern wie der Lesetypographie und der Detailtypographie. Darin kann man sich wirklich stundenlang verlieren - etwa in Fragen nach der richtigen Laufweite von Überschriften oder dem korrekten Setzen von Anführungszeichen.


Oft hören wir, dass manche Detailfragen im Satz übertrieben oder pedantisch wirken - aber habt ihr mal ein wirklich gut gesetztes Buch in der Hand gehalten und daneben den gleichen Text als Word-Ausdruck? Dazwischen liegen Welten - und der gute Satz verleiht dem Text auch ein Gewicht, eine Bestimmtheit, eine Eindeutigkeit, die dem Inhalt sehr zur Seite steht.

Warum es sich lohnt, für Ausstattung Geld auszugeben

Wenn bei einem neuen Buchprojekt absehbar ist, wie es in etwa aussehen soll, holen wir die Angebote von unseren Druckereien ein. Natürlich muss man dann doch hin und wieder schlucken, wenn bestimmte Ausstattungs-Elemente Geld kosten. Und man überlegt dann immer hin und her: Lohnt sich das?

Zum Beispiel: Ein Buch, Auflage 2000. Seitenanzahl: 200.

Wenn man dafür nun noch ein paar Extras kalkulieren lässt, wächst der Kostenberg schnell an: Lesebändchen (+200,- Euro), Titelprägung (+300,- Euro), farbiges Vorsatzpapier (+200,- Euro), Sonderfarbe im Innenteil (+1000,- Euro). All das kommt auf die normalen Druckkosten oben drauf, die wegen der teuren Papiere eh schon eindrucksvoll sind.

Aber wir entscheiden uns - und zwar aus den oben beschriebenen Gründen - inzwischen eigentlich fast immer für diese Upgrades. Weil sie den Büchern eben doch das gewisse Extra verleihen. Und bei all diesen Prozessen versuchen wir natürlich, die Meinung der Autorinnen und Autoren immer zu berücksichtigen. Es macht aber auch einfach großen Spaß, gemeinsam die Farben auszuwählen.

 Eine kleine Auswahl der Muster, die bei der Herstellung beachtet werden müssen.Eine kleine Auswahl der Muster, die bei der Herstellung beachtet werden müssen.
Eine kleine Auswahl der Muster, die bei der Herstellung beachtet werden müssen.Eine kleine Auswahl der Muster, die bei der Herstellung beachtet werden müssen.

Warum wir in Deutschland drucken

Manchmal, wenn wir am Elbstrand sitzen und die großen Containerschiffe aus China in den Hamburger Hafen einfahren sehen, stellen wir uns vor, dass da unsere Bücher drin wären, gedruckt in China, angeliefert containerweise per Schiff, Lieferzeit mehrere Wochen. Erscheint uns völlig absurd, wo es doch jede Menge Druckereien in Deutschland gibt. Es ist aber im Buchhandel inzwischen relativ normal geworden, vor allem farbige Sachen und Kinderbücher in China herzustellen. Oder eben in Osteuropa - fast täglich erreichen uns Werbe-Mails von Druckereien in Polen, Tschechien, Litauen. Wir haben zwar schon mal Angebote in Tschechien kalkulieren lassen, sind dann aber letztendlich doch nicht drauf eingegangen. Warum?

 

Zunächst mal gibt es ganz pragmatische Gründe. Man kann natürlich z.B. in Litauen billiger drucken als hierzulande - aber dann muss man auch bereit sein, die dort angebotenen und vorrätigen Papiersorten und Verarbeitungen zu akzeptieren. Tut man das nicht und legt Wert auf eine bestimmte Ausstattung und Qualität (siehe oben), dann sind die Angebote der ausländischen Druckereien oft gar nicht mehr wirklich billiger als die der deutschen Druckereien. Das hängt z.B. auch damit zusammen, dass bestimmte Papiere im Ausland nicht immer vorrätig sind - z.B. klassisches Werkdruckpapier: Während es bei uns überall Standard ist, bekommt man in Osteuropa oft die Antwort: "Das müssen wir in Deutschland bestellen."

 

Daneben ist auch die sowieso schon aufwändige Kommunikation mit den deutschen Herstellern oft viel einfacher und zuverlässiger - wenn man erstmal versucht hat, einem Drucker im Ausland auf Englisch und per Handyverbindung zu erklären, warum der Buchrücken 1 mm weiter nach links ausgerichtet werden muss, ist man für eine einfache Kommunikation sehr dankbar.

 

Und zuletzt sind es auch politische Gründe: Man kann in der Druckbranche die Abwanderung ins Ausland ja plastisch vor sich sehen - da ist es uns wichtig, entgegenzuwirken und unseren - zugegeben kleinen - Teil dazu beizutragen, mittelständische Druckereien hierzulande zu unterstützen.


"Lazyboy" auf dem Kindle. (Foto von Martina Schröder)
"Lazyboy" auf dem Kindle. (Foto von Martina Schröder)

Warum E-Books zum Buch gehören

Bei der ganzen Begeisterung fürs gedruckte Buch darf man die aktuellen Entwicklungen natürlich nicht übersehen. Das E-Book wird definitiv eine Rolle spielen in den kommenden Jahren, allerdings hoffentlich in einem schöneren, leistungsfähigeren Format als zurzeit. Aber auch jetzt gibt es gar nicht so wenige Leser, die sich die E-Book-Version eines Buches kaufen.

 

Wir haben bisher 9 E-Books veröffentlicht, einige weitere sind in Arbeit. Durchschnittlich beträgt der Anteil der E-Books am Gesamtverkauf eines Buches bei uns zwischen 4 und 10 Prozent. Wir haben aber nicht das Gefühl, dass dies im Wesentlichen Käufer sind, die sich statt fürs gedruckte Buch fürs E-Book entschieden haben. Vielmehr sind das meistenteils Kunden (soweit wir das sagen können), die auf anderen Wegen, über andere Kanäle auf unser Programm aufmerksam wurden (z.B. durch den iBookstore). Die beiden Formate konkurrieren für uns also noch nicht so sehr miteinander, sondern ergänzen sich eher.

 

Wenn es nun aber Leser gibt, die beide Formate haben möchten, vielleicht, weil sie ein angefangenes Buch im Urlaub oder in der Bahn auf dem Reader weiterlesen möchten, dann möchten wir ihnen das gerne ermöglichen. Und hier haben wir von der Musikindustrie gelernt: So, wie man bei LPs inzwischen meistens den Download-Code für die MP3s dazubekommt, legen wir unseren Büchern meistens den Download-Code fürs E-Book bei. Denn wenn ein Leser uns ein Hardcover abkauft (was ja entscheidend ist, damit wir weiterhin Bücher drucken können), dann soll er auch über das Lese-Format frei entscheiden und es jederzeit wechseln können. Und wir finden, dass das dann insgesamt ein schönes, rundes Paket ist, das auch in Zukunft bestehen kann: Schöne, gebundene Bücher inklusive E-Book-Version.

 

Daniel Beskos ist Mitgründer des mairisch Verlags und bei mairisch vor allem fürs Programm und die Kommunikation verantwortlich.

 

Weiterlesen:
Teil 1 - Manuskripte und Lektorat
Teil 2 - Grafik-Design und Buchgestaltung

Teil 4 - Korrektorat

Teil 5 - Pressearbeit

Teil 6 - Lesungen

Teil 7 - Finanzen

 

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