Lange wurde der Rosé hierzulande nicht wirklich ernst genommen: weder Fisch noch Fleisch beziehungsweise weder rot noch weiß. Anfangs lediglich ein Nebenprodukt der Rotweinherstellung, hat Rosé in den letzten Jahren weltweit an Qualität und Produktion zugelegt und steht mittlerweile nicht mehr nur für ein mondänes Jet-Set-Leben an der Côte d’Azur oder lauschige Abende mit Freunden auf dem Balkon, sondern für ein eigenständiges und ernstzunehmendes Genre.
Aber wer hat den Rosé erfunden, welche Herstellungsmethoden gibt es überhaupt, wo wird Rosé angebaut, welche Reben kommen zum Einsatz, warum kommen aktuell viele Top-Rosés ausgerechnet aus Österreich und mit welchen Aromen wird gespielt? Wein-Journalist und Assistant Sommelier Pascal Strehler nimmt uns in seinem Buch »Rosé – Das Buch zum Wein« mit durch die Rosé-Anbaugebiete, erzählt von ihren Eigen- und Besonderheiten, erklärt, wie die Weinherstellung überhaupt funktioniert, und lässt uns auf sehr unterhaltsame Weise an den Mythen und Geschichten rund um Rosé-Weine teilhaben. Und er beantwortet natürlich auch die entscheidende Frage: Wie trinkt man Rosé am besten?
Zum Erscheinen von »Rosé – Das Buch zum Wein« haben wir uns mit dem Autor Pascal Strehler getroffen und über die Recherchen zum Buch, Weingesetze, den Geschmack von Erdbeeren, und aber auch, welchen Roséwein er denn am liebsten trinkt, gesprochen.
»Rosé – Das buch zum wein«: Im Gespräch mit pascal strehler
Lieber Pascal, du bist ja eigentlich (Musik-)Journalist. Wie kamst du dazu, dich zum Assistant Sommelier ausbilden zu lassen und was bedeutet das überhaupt genau?
In den letzten Jahren habe ich immer mehr über Wein gelesen, Fachliteratur verschlungen, Weinzeitschriften abonniert und, sobald ich in einer Weinregion im Urlaub war, darauf geachtet, dort ein Weinseminar oder einen Kurs zu belegen.
Irgendwann habe ich mich dann gefragt, welche »Grundausbildung« in Sachen Wein ich als Journalist eigentlich absolvieren kann (der Ausbildungsweg zum »richtigen« Sommelier geht beispielsweise ohne langjährige Berufserfahrung in der Gastronomie oder im Weinhandel nicht), und so bin ich auf diesen Bildungsweg gekommen.
Ich suchte einen profunden Einstieg in die Weinwelt und das bildet der Assistant Sommelier gut ab, der oft – wie bei mir – einhergeht mit einem WSET Level 2-Abschluss. Das ist ein zertifizierter Abschluss des Wine & Spirits Education Trust in London, der weltweit größten Institution für Weinausbildungen.
Ich hätte natürlich auch schon längst die Level 3 und 4 angehen können, aber ich war ja mit dem Buch beschäftigt … ;-)
Was ist denn überhaupt an Rosé so erzählenswert?
Eine ganze Menge! Bereits die Weine der Antike dürften häufig roséfarben gewesen sein – entweder durch das Zusammenspiel heller und dunkler Trauben oder durch eine kurze Maischestandzeit von Rotweintrauben.
Heute wird Rosé durch nationale Weingesetze sowie durch die EU klar definiert. Und dennoch gibt es allein in Europa – um nicht zu sagen: in einzelnen Ländern wie Frankreich – höchst unterschiedliche Stile und eine breite Palette an Rosé-Typen.
Nicht zu vergessen sind die »kleinen« Kuriositäten wie der säurestarke Schilcher oder der Uhudler aus Österreich, wobei sich Letzterer nicht als Rosé bezeichnen darf.
Wie hast du für dein Buch recherchiert?
Zuvorderst viel über Sekundärliteratur: Ich habe die großen Weinatlanten und -lexika durchgewälzt, mich dazu mit vielen Fachzeitschriften eingedeckt. Und natürlich – ich wohne ja im weinbergarmen Hamburg – musste ich natürlich raus in die Weinregionen und vor Ort mit Winzerinnen und Winzern sprechen.
Und welche Dinge hast du bei deinen Recherchen neu entdeckt oder gelernt?
Jetzt kann ich es ja sagen: Erst durch die Buchrecherche habe ich Rosé richtig schätzen und schließlich lieben gelernt. Jetzt wiederhole ich mich: Aber die schiere Bandbreite an unterschiedliche Aromen und Stilistiken ist wirklich faszinierend.
Fast schon rührend finde ich übrigens, dass so viele Regionen ihre eigene Rosé-Spezialität über die Jahre entwickelt haben. Zwar darf sich nicht jedes dieser Geschöpfe Rosé nennen, aber über die Farbe gibt es einen grenzüberschreitenden Konsens. Nahezu überall trinken und produzieren die Menschen roséfarbenen Wein.
Gestaltung: Andrea Pieper / Fotos: Carolin Rauen
Du hast ja für deine Recherchen auch Weingüter besucht. Gab es da für dich auch neue Erkenntnisse bzw. Entdeckungen?
Im Mittelburgenland durfte ich das Weingut Strehn besuchen, das sich mit Rosés im High-End-Bereich überregional einen Namen gemacht hat. Die haben das Familienunternehmen, was ursprünglich auf Rotwein ausgerichtet war, inzwischen fast komplett auf links gedreht und den Fokus voll auf Rosé gesetzt. Und diese Rechnung scheint aufzugehen: Rosé ist hier kein Neben-, sondern das Hauptprodukt, für das sie regelmäßig Auszeichnungen erhalten.
Ein Kapitel in deinem Buch lautet ja »Wie schmeckt Rosé?«. Kannst du für uns zusammenfassen, wie Rosé schmeckt und worin er sich vom Rot- und Weißwein unterscheidet?
Das kann ich allenfalls nur andeuten, zu umfangreich ist das Spektrum an Stilistiken. Aber nehmen wir den typischen Provence-Rosé: Dieser wird in der Regel wie ein Weißwein zubereitet, also direkt gepresst. So hat der Most kaum Kontakt mit den Traubenschalen, in dem die Farbpigmente sitzen. Folglich weist er nur ein zartes Lachsrosa auf und erinnert von der Haptik und der Säure her an einen Weißwein. Aber es gibt natürlich auch die wuchtigen Rosés, die im Holz ausgebaut wurden und vor Kraft nur so strotzen. Hier steht die Machart oft der der Rotweinproduktion nahe, weil Traubenschalen und Most nach dem Anpressen länger beieinander lagen.
Um es aber grob herunterzubrechen: Wer grundsätzlich Erdbeeren mag, sollte mit Rosé kein allzu großes Problem haben.
Blickst du nun, nach Schreiben deines Buchs, anders auf Rosé?
Auf jeden Fall. Ich gehe in einem gut sortierten Supermarkt deutlich langsamer und aufmerksamer am Regal mit den Roséweinen vorbei.
Mein erklärtes Ziel ist es natürlich all die Nischen-Rosés und roséähnlichen Weine zu erwischen und zu probieren, die ich im Buch zwar aufgezählt, aber noch nicht direkt im Glas hatte. Ich denke
da an den slowenischen Cviček oder den ungarischen Sillerwein …
Und jetzt mal ehrlich, welchen Rosé trinkst du persönlich am liebsten?
Immer den nächsten.
»Rosé – Das Buch zum Wein« von Pascal Strehler
120 Seiten
20 Euro
ISBN 978-3-948722-56-2
Weitere Informationen sind hier zu finden.





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