Finn-Ole Heinrich & Rán Flygenring - "Die Reise zum Mittelpunkt des Waldes"

Dies ist kein Buch wie jedes andere. Es ist eine Abenteuergeschichte, ein Survivalguide, eine Hommage an die Wucht des Waldes, ein bisschen Quatsch auch, auf jeden Fall aber ein großer Spaß. Vor allem aber ist es ein liebevoller Brief an das eigene Kind, der von einem der letzten großen Abenteuer in einer »entabenteuerten Welt« erzählt.

Der Erzähler im Buch hat vor allem und jedem einen Heidenrespekt: Vor seinem Schwiegervater, vor seinem neuen, ungewohnten Alltag, vor den Aufgaben, die in seiner schönen, aber noch etwas holprigen Beziehung mit seiner Frau Amanda aufkommen, überhaupt vor allem, was sich da „Leben“ nennt und was jetzt nochmal ganz besonders ansteht: Er wird nämlich Vater. Und davor hat er den allergrößten Respekt, denn er hat wirklich überhaupt keine Idee, wie das geht, das Vatersein.

Um Antworten zu finden, macht er sich eines Nachts, Hals über Kopf und ohne seinen Liebsten Bescheid zu geben, auf den Weg in einen riesigen, mythischen Wald. In diesem soll der sagenumwobene "Reuber" leben. Ihn, den keiner kennt und den seit Jahren niemand mehr gesehen hat, will er ausfindig machen und von ihm lernen. Bei ihm will er die vielleicht wichtigste Ausbildung absolvieren oder eher so eine Art Praktikum – nicht im Leuteausrauben natürlich, sondern darin, wie man ein Vater wird, der sein Kind in jeder Lebenslage zu beschützen weiß.

Tja, und da fängt der Quatsch natürlich an: Woher soll ein wilder Typ im Wald denn wissen, wie das Leben geht? Und ist es wirklich so schlau, außer einem Rucksack voller Haribo und einer Schlafbrille kaum etwas mitzunehmen in den Wald?
Um es vorwegzunehmen: Nein, ist es überhaupt nicht. Und dass der Erzähler weder mit einem Kompass umgehen kann noch sich einen Unterschlupf zu bauen weiß, macht es natürlich kein bisschen besser.

Zum Glück aber findet er den Reuber tatsächlich, oder besser gesagt: der Reuber findet ihn. Nach deutlichen Annäherungsschwierigkeiten erkennen sie, was sie voneinander lernen können. Dazu gibt es die zahlreichen hilfreichen Tutorials, die die Isländerin Rán Flygenring extra fürs Buch gezeichnet hat: Übers Laufen, Orientieren und Zeltbauen im Wald, darüber, wie man Waldsalat und Löwenzahnkaffee herstellt, wie man Feuer macht oder ein Floß baut. Und es gibt natürlich noch ein paar Anleitungen für Dinge, die eigentlich nur der Reuber kennt und kann: Luftfuttern zum Beispiel, oder wie man einen Barani ins Panorama nagelt. Am meisten Spaß macht dabei wohl die ganz eigene Sprache des Reubers - da wird gegrüllt, gegnatzt und gerunft, was das Zeug hält!
Tja, wie gesagt, das ist ja auch keine normale Ausbildung hier. Aber der Erzähler ist so oder so zum Lernen hier, auch wenn er manchmal nicht genau weiß, wofür er das Gelernte mal brauchen könnte.

Und doch gibt es neben dem täglichen Überlebenstraining dann doch eine ganze Menge, das er lernt: Übers Leben, über unsere Gesellschaft, über das Verhältnis zu den eigenen Kindern, Eltern, Mitmenschen. Über Selbstbewusstsein – und eben auch über sich selbst. Und er erfährt Dinge, die er nie für möglich gehalten hätte - vor allem über den Reuber und dessen Vergangenheit. Das ist dann auch die Ebene der Geschichte, in der sich wohl eher die Erwachsenen wiederfinden und die auch sie mit einem echten Mehrwert fürs eigene Leben lesen können. Vielleicht dann, wenn die Kinder beim Vorlesen dann irgendwann schon eingeschlafen sind.

 

Für all das haben wir uns einen ganz besonderen Bucheinband ausgedacht, den die Druckereien mit dem wunderschönen deutschen Wort „Steifbroschur“ anbieten – in Wirklichkeit aber alles andere als eine Broschur, sondern ein echtes Hardcover, ein richtiger Brocken mit Kanten und Ecken, in seiner Rauheit und Naturbelassenheit genau richtig für einen wie den Reuber.

Wie gesagt: Es ist nicht einfach ein Kinderbuch. Es ist aber auch nicht nur für Erwachsene. Finn-Ole Heinrich spielt in seinen Büchern ja oft mit den Schubladen, in die Texte immer gesteckt werden, einfach weil er glaubt, dass man Kindern durchaus auch ernste, tragische Themen zumuten kann – und Erwachsene auch mal Quatsch vertragen. Das hat er in "Frerk du Zwerg" ebenso getan wie in seiner "Maulina"-Trilogie (übrigens alle ebenfalls von Rán Flygenring illustriert) und im Trecker. Doch in wohl keinem seiner bisherigen Bücher kommen diese beiden Bereiche so schön zusammen wie in diesem. Der Ton, mit dem der Erzähler hier seinem noch ungeborenen „Krümelchen“ von seinen Abenteuern erzählt, ist einzigartig.
Man kann viel Spaß haben mit der „Reise zum Mittelpunkt des Waldes“.
Wir legen sie euch ans Herz.

Erhältlich überall im Handel.
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