Trecker kommt mit!

Interview mit Finn-Ole Heinrich, Dita Zipfel und Halina Kirschner

Wir veröffentlich bei mairisch erstmals ein Kinderbuch - aber natürlich nicht irgendeins: TRECKER KOMMT MIT ist der neueste Streich des wunderbaren Finn-Ole Heinrich, den er diesmal zusammen mit der bezaubernden Dita Zipfel ausbaldowert hat. Und wie immer ist es anarchisch, wild, unerschrocken und mutig geworden - dazu noch mit tollen dreifarbigen Illustrationen von Halina Kirschner! Wir haben die drei zu den Hintergründen des Buches befragt:

 

Finn, Dita ihr habt das Buch zusammen geschrieben, wie läuft das zwischen euch, wie entsteht ein Buch gemeinsam?

Finn: Dita macht die Arbeit, ich stehe im Lieblingsbademantel auf dem Balkon, rauche kubanische Zigarren. Wenn Dita endlich fertig ist, übe ich drei Tage lang meine Unterschrift, das ist schließlich, worauf es bei einem echten Schriftsteller ankommt und dann ist das Buch aus meiner Sicht eigentlich fertig und ein Knaller.

Dita: Naja, meiner Meinung nach teilen wir die Arbeit wirklich sehr gerecht auf. Ich durfte mir unter Finns großem Pantoffel, wo ich seit ein paar Jahren wohne, eine wirklich großzügige fensterlose Kammer einrichten. Da darf ich jetzt im Grunde 24 Stunden pro Tag mietfrei leben und arbeiten. Wobei, ich nenne es nicht Arbeit, es ist ein Genuss, die Ideen des großen Finn-Ole Heinrichs zu Papier bringen zu dürfen. Da muss ich auch nichts bei verdienen. Manchmal wirft er mir sogar ein Stück Brot in die Kammer.

 

Wie habt ihr euch dem Thema angenähert?

Finn: Jahrelange Recherche. Ich hab als Jugendlicher mit schwererziebaren Treckern gearbeitet Naja, und dann haben Dita und ich uns 1999 beim "Bundestreffen der Traktoristen" in Lohne/Dinklage kennengelernt und seitdem arbeiten wir, also Dita, an diesem Buch. 18 Jahre, normal, es war auch nicht immer leicht für mich, war manchmal kalt aufm Balkon. Aber interessanterweise hat Dita da ja einen ganz anderen Zugang:

Dita: Finn ist der Interlekzuelle von uns beiden. Ich hab eher so den körperlichen Zugang zum Thema. Ich beginne jeden Tag mit dem "Treckergruß", einer Abfolge von 47 Körper- und Atemübungen, die sich aus dem Yoga entwickelt haben. Das ganze verbinde ich mit den weitgehend unbekannten Lock- und Balzrufen wildlebender Trecker und jetzt, nach 18 Jahren, kann ich sagen, dass ich wirklich fühle, wie ein Trecker fühlt. 

 

Und für dich Dita, ist es ja sogar das erste Buch, richtig?

Dita: Ja, aber ich freue mich schon auf das zweite. Es soll etwas komplexer werden und um Mähdrescher gehen. Ich rechne mit einer Recherchezeit von 27 Jahren. Wenn Finn mir hilft.

 

Halina, wie ist das, wenn man einen Text von Autoren bekommt, die man eigentlich erst gar nicht kennt und dann sich etwas ausdenken muss? Auch für dich ist es ja das erste Buch, oder?
Halina: Ich wurde von der Trecker-Anfrage erst einmal sehr überrascht, kannte ich mich doch mit den Eigenheiten und Verhaltensweisen von Treckern nicht im Geringsten aus. Glücklicherweise hat ein Treckererfahrener Kollege  mir die Scheu genommen und mir wurde schnell klar: Trecker ist das absolute Top-Thema. Mähdrescher könnte ich mir auch sehr gut vorstellen.

 

Halina, du hast auch ein Foto geschickt, auf dem ein roter Trecker zu sehen ist. Ist das DER Trecker? Also die Vorlage für den Trecker im Buch?
Halina: Ja, genau. Den roten Trecker, übrigens ein Belarus, habe ich bei einem Casting im Leipziger Umland entdeckt. Wir verstanden uns auf Anhieb und es war sehr schnell klar, dass er die Hauptrolle übernehmen würde. Zurzeit überlegt er, nach Leipzig umzusiedeln, allerdings hat er noch keine geeignete Wohnung gefunden. Der Wohnungsmarkt ist ziemlich dicht geworden.

 

 

Und ihr, Dita und Finn, auch ihr steht vor einem Trecker, ist das eure Vorlage, für den Trecker, den ihr beim Schreiben im Kopf hattet?

Finn: Nee, der hat damit gar nichts zu tun, der ist uns zugelaufen, nachdem Dita das Buch fertig geschrieben hatte. Vielleicht hat er gedacht, nur weil wir über Trecker schreiben, kann jetzt jeder Trecker bei uns einziehen. Außerdem spricht der Trecker Spanisch, ich nicht. Ich hab einen ganzen Nachmittag lang versucht, ihm ein paar Brocken Norddeutsch beizubringen, aber der ist ziemlich rostig im Oberstübchen. Muss ich leider in der Deutlichkeit sagen.

Dita: Und dabei hat Finn mich meine Kammer extra mit Eierpappen auskleiden lassen, aber irgendwie scheint mein Lockruf doch nach außen gelangt zu sein.

"Trecker" sagt man ja eigentlich nur in Nord- und Mitteldeutschland. Sonst heißt das Traktor. Im Süden Deutschlands werden wir also wohl keine Leser finden?

Finn: Ja, das ist auch gut so. Mir ist auf meinen Lesereisen sowieso aufgefallen, dass die Süddeutschen insgesamt ziemlich begriffsstutzig sind und die Sprache wissentlich und willentlich verbiegen. Probier mal in Stuttgart ein Alster zu kriegen oder ein Brötchen zu kaufen!

Dita: Ich kenn mich mit Süddeutschland nicht aus. Um welches der 21 Stuttgarts geht es?

 

Im Buch geht es ja aber eigentlich gar nicht so wirklich um Trecker, sondern um das Verhältnis zwischen Stadt und Land, um Selbstbestimmung, Mut ...

Finn: Ihr meint auch, weil ihr drei Bücher zusammengetackert habt in eurem Copyshop-Verlag checkt ihr jetzt, worum es in unserem WERK geht, ja? Bitte. Ich interpretiere meine Bücher nicht, die stehen für sich. So ist das mit Kunst. Ich sag nur so viel: In diesem Buch kommt das Wort Trecker vielleicht relativ häufig vor, aber eigentlich geht es eher um das Verhältnis zwischen Stadt und Land, um Selbstbestimmung. Und auch Mut ist ein Thema.
Dita: Und Mut!
Halina: Und Mut!