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Kinderbücher in Spanien und Katalonien

Von Nefeli Kavouras und Daniel Beskos

 

Auf die Kinderbuchwelt Spaniens sind wir ganz besonders neugierig – daher kreisen auch viele unserer Termine um dieses Thema. Es gibt in Spanien wohl deutlich mehr als 100 Kinderbuchverlage – mit einer kleinen Auswahl davon haben wir uns getroffen und wollten vor allem wissen: Welche Trends gibt es im Kinderbuch, wie ist die Situation der Verlage und wie sind sie durch die Corona-Zeit gekommen? Und wir haben versucht, wie man als Verlag in einem Sprachraum mit mehr als 500 Millionen Sprecher*innen agiert – wie liefert man überhaupt nach Lateinamerika? Und wie läuft das alles über so viele Ländergrenzen hinweg?

 

In Barcelona haben wir die Verlage Zahori Books, Takatuka und Flamboyant besucht, per Zoom sprachen wir zudem mit Apila Ediciones in Saragossa. In diesem Beitrag haben wir die interessantesten Antworten zusammengestellt.

 

 

Unsere Gesprächspartnerin ist Mireia Trius, Zahorí Books.

Bitte erzähl uns doch ein wenig von eurem Kinderbuchprogramm - ihr veröffentlicht vor allem Sachbücher für Kinder, oder?
Ja, genau, vor allem Sachbücher, aber das hat ja manchmal sehr offene Grenzen und kann sehr erzählerisch sein. Aber es geht immer um ein bestimmtes Thema und darum, etwas zu lernen.


Machen das auch andere Verlage?
Ja, es ist ein kleiner Trend. Wir haben damit angefangen, aber ein paar andere machen das jetzt auch oder weiten zumindest ihre Sachbuchprogramm aus.

 

Und gibt es aktuell bestimmte Themen, die sehr präsent sind?
In den letzten drei oder vier Jahren natürlich der Umweltschutz. Wir haben da sogar eine Art Label, Pequeño Activista, was „kleine Aktivisten“ bedeutet. In diesen Büchern geht es viel um Klimawandel, die Umwelt und soziale Themen. Besonders erfolgreich war aber auch unsere „Enigmas“-Reihe: Da geht es auch immer darum, etwas zu lernen, wie etwa in „Enigmas of History“, in dem man bestimmte Rätsel oder Mythen aus der Weltgeschichte lösen muss, mit einer Zeitlinie, die von den Höhlenmenschen bis heute reicht. Wir versuchen dabei immer, diese Themen auf eine lustige, unterhaltsame Weise zu erzählen. Es gibt bisher 6 Bände zu Geschichte, Wissenschaft, Mathemathik und anderen. Das ist eine typische Zahori-Reihe, immer lustig, die Kinder finden das super. Daneben haben wir auch viele Natur-Bücher, Tiere, Pflanzen, Universum, so etwas.


Und gibt es alle Bücher in Spanisch und in Katalanisch?
Ja, immer in beiden Sprachen. In der Regel drucken wir etwa 2.500 Stück auf Spanisch und 1.500 auf Katalanisch. Letztere verkaufen wir nur hier, die Spanischen natürlich weltweit, etwa auch in Mexiko, Kolumbien und Chile.


Und ihr druckt aber alle hier in Europa?
Ja, meist hier in Spanien oder in Slowenien, Polen. Manchmal auch in China, kommt das auf Buch an. In Lateinamerika gibt es manchmal günstigere Schulausgaben als Taschenbücher, die werden dann dort gedruckt. Aber es gibt dort keine große Drucktradition, aber jetzt mit den gestiegenen Energiekosten könnte das für die Zukunft schon eine Überlegung sein, dort zu drucken. Früher war es vor allem so, dass die großen Konzerne wie Planeta oder Penguin Random House ihre Bücher nach Lateinamerika verkauft haben; in der Regel hatten Sie dort auch Lager und sogar Büros in den einzelnen Ländern. Aber es gibt jetzt immer mehr interessante unabhängige Verlage in Lateinamerika, gerade im Kinderbuchbereich. Das ist ja auch irgendwie naheliegend, dort vor Ort mit lokalen Künstler*innen zu arbeiten und Bücher zu entwickeln, die zur Region passen. Wir arbeiten auch mit einigen spannenden Autor*innen und Illustrator*innen von dort.


Sprechen die Kinder hier in Katalonien zunächst zu Hause Katalanisch?
Ja, genau. Und in den öffentlichen Schulen wird ausschließlich auf Katalanisch unterrichtet, die Kinder sprechen also zuerst das. Aber später sprechen viele dann auch Spanisch; und es gibt ja auch viele ausländische Familien hier, die sprechen eher Spanisch.

 


Wir haben jetzt immer öfter sogenannte „Silent Books“ gesehen, als Bücher ganz ohne Text, gerade in Italien und Frankreich. Gibt es das auch hier?
Ja, letztes Jahr zu Sant Jordi haben wir eines gemacht, dass eine Hommage ans Lesen ist: Un libra ( LINK). Es ist ein 8-Meter langes Leporello. In der Geschichte findet ein Typ ein Buch und weiß nicht, was er damit machen soll. Er probiert alles Mögliche aus und am Ende wird sein Leben dadurch bunt. Silent Books gefallen jetzt nicht allen, aber es ist im Kommen. In Bologna gibt es jetzt glaube ich auch einen Preis fürs beste Silent Book. Und hier etwa haben wir ein Buch, in dem es nur um Geräusche geht, man erzählt die ganze Geschichte mit Geräuschen, die Kinder lieben das.


Ist der spanischsprachige Markt allgemein offener für experimentelle Kinderbücher? Wir hören immer wieder, das etwa der deusche Kinderbuchmarkt sehr konventionell ist, sehr stark an der erzählten Geschichte hängt oder dass eine Moral herauskommen muss?
Ja, könnte sein - das hören wir immer wieder, dass die deutschen Verlage unsere Bücher lieben, aber zu schwierig für den deutschen Markt finden. Bei euch will man die Kinder irgendwie stärker beschützen. Aber ich glaube, die Kinder selbst sehen das gar nicht so. Und es gibt ja auch einige Gegenbeispiele: Die Bücher zum Thema Fürze und Popel und Bakterien und so (https://www.knesebeck-verlag.de/das_geheime_leben_der_popel/t-1/949) - erst haben wir keinen deutschen Verlag dafür gefunden, das war vielen wohl too much, dieses Mädchen mit dem Finger in der Nase, aber dann haben sich Knesebeck getraut, und jetzt drucken sie die nach wie verrückt. In den USA funktioniert es auch sehr gut, aber die haben einiges geändert, nicht zuletzt das Cover, und alles ein wenig entschäft. Komisch, dass die da so konservativ sind, im Libanon oder der Türkei hat keiner was geändert.


Werden Kinderbücher eigentlich in den Medien besprochen?
Nein, hier ist gibt es eigentlich kaum Platz dafür, vielleicht mal hier und da in einer Wochenendbeilage oder im Radio. Bei Kinderbüchern läuft es eher über Instagrammer und Blogger. Und natürlich über die Buchhandlungen.


Und wie war für euch die Corona-Zeit?
Wir hatten eigentlich gute Jahre, in der Buchbranche allgemein, aber speziell auch im Kinderbuch. 2021 gab es in Spanien ein Plus von 20 Prozent, was Buchverkäufe angeht. In Deutschland läuft vor allem Kinderbuch wahnsinnig gut, haben mir alle in Bologna erzählt, stimmt das?


Ja, aber es kommt auch sehr aufs Programm an, und auf einzelne Titel. Aber die Kinderbuchverlage scheine wirklich gut durch die letzten Jahre gekommen zu sein.
Was könnte am spanischen Kinderbuchmarkt besser sein?
2021 war wie gesagt sehr gut, aber aktuell ist die Lage schon wieder ganz anders: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine haben die Buchverkäufe praktisch aufgehört. Ich hoffe, das wird bald wieder besser, aber wenn die Preise für die Lebenshaltungskosten weiter so steigen, haben viele Menschen vielleicht einfach weniger Geld für Bücher.

 

 

Mit Eva Jiménez, Patricia Martín und Marina Huguet treffen wir uns in den schönen neuen Büroräumen von Editorial Flamboyant. Zuerst bewundern wir die verschiedenfarbig gestrichenen Zimmer (blau! senfgelb! rot!), dann versammeln wir uns im Konferenzraum zum Interview.

 

Bitte erzählt uns doch ein wenig über euch.

Flamboyant wurde 2009 gegründet und hat sich ausschließlich dem illustrierten Kinderbuch verschrieben. Es erscheinen etwa 20 neue Bücher pro Jahr. 2012 erschien mit »El Monstruo de Colores« (»Das Farbenmonster«) unser absoluter Bestseller, der bis heute in 34 Sprachen übersetzt wurde und sich insgesamt über alle Ausgaben hinweg weltweit mehr als 5 Millionen mal verkauft hat. Dank dieses Buches konnte sich der Verlag auch über die Jahre so gut entwickeln.

 

Wie funktioniert das eigentlich mit dem Export eurer Bücher nach Lateinamerika? Druckt ihr die hier und schickt die dann dort hin? Oder werden die dort hergestellt?

Nein, wir drucken hier, für Lateinamerika sind die Auflagen in der Regel nicht groß genug, das lohnt sich nicht, die extra dort zu drucken. Außerdem ist es aus irgendwelchen Gründen logistisch leichter, Bücher von Spanien aus in diese Länder zu schicken als etwa welche von Mexiko nach Argentinien zu liefern. Und viele Verlage dort haben auch Probleme, Zugang zu den jeweils anderen Märkten zu haben.

 

Wie waren die letzten zwei Jahre für den Kinderbuchmarkt bzw. für euch?

Das waren tatsächlich zwei sehr gute Jahre. Für die Belletristik aber vielleicht sogar noch mehr als fürs Kinderbuch.

 

Aber die Buchhandlungen waren eine Zeit lang geschlossen?

Ja, aber je nach Region unterschiedlich lange, bis zu 5 Monaten. Aber viele richteten ein Abholsystem ein, das hat sehr gut funktioniert.

 

Welche aktuellen Trends oder Themen seht ihr aktuell im Kinderbuch?

Gefühle! Und Werte, Mutterschaft, Respekt, Mindfulness. Sowas in der Art. Wenn man in die Buchläden geht, ist alles voll damit. Und natürlich Feminismus, Frauen in Männerberufen und so.

 

Und kommt das Interesse fürs Thema "Gefühle" von den Kindern oder eher den Eltern?
Eher aus den Schulen und Kindergärten. Dort wird sich einfach sehr viel damit beschäftigt, was Traurigkeit, Wut oder Fröhlichkeit ist, wie man mit Gefühlen umgeht und wie man darüber spricht. Das hier ist ein großes Thema, aber auch etwa in den USA, in Frankreich und Italien.

 

Und macht ihr den Autor*innen Themenvorschläge?

Ja, genau, wir entwickeln oft Ideen hier im Team, und dann überlegen wir, wer das schreiben und wer es illustrieren könnte. Aber den Text braucht man immer zuerst.

 

Der Einfluss der Verlage ist also im Kinderbuch deutlich größer als etwa in der Belletristik.

Genau. Und ich glaube, die meisten Menschen unterschätzen total, wie viel Arbeit das alles ist.

 

 

Wie bewerbt ihr eure Bücher? Geht das vor allem über Artikel in der Presse?

Nein, im Print oder im Radio ist fürs Kinderbuch inzwischen nicht mehr viel Platz. Es läuft inzwischen sehr viel über digitale Medien - Buchblogs, Instagram, Accounts rund um die Themen Kinderbuch, Mom-Blogs und so weiter. Aber das ist schade, denn wenn es in den regulären Medien keinen Raum für Kinderbücher gibt, wie sollen die Kinder dann deren Wichtigkeit realisieren?

 

Gibt es eigentlich viele Lesungen in Spanien rund ums Kinderbuch?

Es gibt schon einige, aber das ist nicht soo üblich. Wir machen eher Aktionen in Buchhandlungen, wo dann irgendeine Action stattfindet. Aber zu normalen Lesungen kommen die Kinder und Eltern hier eher nicht, es finden eher Gesprächsrunden oder Buchpräsentationen statt. Und dann gibt es natürlich Signierstunden (z.B. jetzt bei Sant Jordi), oder auch mal Festivals. Aber vorgelesen wird allgemein nicht so viel.

 

Aber es gibt doch Hörbücher für Kinder, oder?
Nein, auch nicht so richtig. Bei euch ist das ein großes Ding, oder? Die deutschen Verlage sind auch die einzigen, die bei uns Hörbuchrechte kaufen. Aber ist das wirklich eher nur was für Erwachsene. Vielleicht sollten wir sowas hier auch mal mehr ausprobieren.

 

Schön, aber selten: Dieses Buch von Susanna Iseren und Rocio Bonilla ist in allen vier Landessprachen erschienen.

 

 

Patricia Hansel, die früher in Hamburg bei der Edition Nautilus tätig war, ist seit 2009 in Barcelona und eine der Leiterinnen des Kinderbuchverlags Takatuka. Mit Patricia und Takatuka verbindet uns ein guter Kontakt – der Verlag hat die spanischen und katalanischen Ausgaben von »Trecker kommt mit« veröffentlicht und wird das gleiche auch mit »Hey, hey, hey, Taxi!« machen. Wir treffen Patricia zunächst im Lager ihres Vertriebs in Barcelona und gehen dann zusammen in ein Café.

 

Hier im Lager werden eure Bücher für ganz Spanien ausgeliefert?
Nein, hier nur die für Katalonien. Wir haben verschiedene Auslieferungen für die unterschiedlichen Regionen Spaniens. Und dann natürlich Vertriebe in Lateinamerika.

 

Gibt es zentrale Auslieferungen wie in Deutschland hier gar nicht?

Doch, gibt es auch. Und an den Auslieferungen hängen oft auch die Vertreter*innen. Aber viele wollen Exklusivverträge für ganz Spanien, und wir wollen nicht auf bestimmte Regionalvertriebe verzichten, mit denen wir alte und sehr gute Beziehungen haben.

 

Wieviele Bücher macht Takatuka momentan im Jahr?
Ca. 12 pro Jahr, aber alle in den beiden Sprachen, daher also 24 im Jahr. Dazu Nachauflagen von den älteren Titeln. Von den katalanischen Büchern werden auch einige gefördert, es gibt hier eine ganz gute Förderstruktur.

 

Was kosten eure Bücher im Laden?

Die kleinen gehen so bei 12 Euro los, ansonsten meist 14 bis 16 Euro, ganz selten auch mal über 20 Euro, wenn es sehr große Bücher sind.

 

Wollen wir rüber ins Café gehen?
Ja, gerne. Hier nebenan ist übrigens die sehr schöne Buchhandlung La Panafricana, die sich fast ausschließlich Büchern rund ums Thema Afrika widmet und auch gute Veranstaltungen macht.

 

 

Kriegt man eigentlich als Autor*in in Spanien irgendeine Form von Förderung?

Ja, da gibt es schon einiges. Preis natürlich, auch für Übersetzungen, daneben Übersetzungsförderungen. Stipendien gibt es nicht ganz so viele wie in Deutschland, aber es gibt auch Illustrator*innen-Preise, auch regionale Preise in den verschiedenen Gegenden.

 

Und wie sieht es mit Veranstaltungen rund um Kinderbücher aus?

Buchhandlungen machen gerne Veranstaltungen, nicht nur Lesungen, sondern welche, wo die Kinder mitzeichnen oder mitbasteln können, das findet auch in Bibliotheken und Schulen statt. Die asociación ¡Âlbum!, ein Zusammenschluss von etwa 25 unabhängigen Kinderbuchverlagen, macht da auch viel. Ziel ist es, gerade Bilderbücher für kleinere Kinder stärker in den Vordergrund zu stellen – dass das eben nicht nur Entertainment ist, sondern dass man den Kindern mit den Bildern oder den Themen etwas abverlangen kann. Dass das auch durchaus mal etwas Komplexer sein darf und dass auch Lehrer*innen und Bibliothekaren*innen lernen, wie hilfreich Bilderbücher für die Bearbeitung bestimmter Themen sein können.

 

Bekommen die Autor*innen für die Veranstaltungen ein Honorar?

Ja, wobei das auch oft der Verlag zahlt. Manchmal machen die Künstler*innen das auch umsonst. Manchmal zahlt auch die Buchhandlung, man muss sich da irgendwie einigen. Die meisten können aber nicht vom Schreiben oder den Lesungen leben, außer sie sind sehr bekannt. Die Autor*innen machen ansonsten oft noch Übersetzungen, die Illustrator*innen arbeiten auch viel für kommerzielle Auftraggeber – Magazine, Werbung, Schulbücher oder sogar Puzzles.

 

Und existieren Förderungen für euch als Verlag? Ihr könnt Übersetzungsförderung beantragen, etwa beim Goethe-Institut, oder? Und Entsprechendes bei den Einrichtungen vieler anderer Länder?

Genau, und viele Länder, wie etwa Finnland, Niederlande, Portugal oder Schweden fördern auch einen Teil der Herstellung und Produktion von Büchern, nicht nur die Übersetzung, denn die ist ja gerade bei Bilderbüchern ja im Grunde marginal. Für Kinderbücher aus Deutschland gibt es das so umfassend leider nicht. Durch Übersetzungsförderung des Goethe Instituts können wir aber umfangreichere Kinder- und Jugendbücher und auch so manches Sachbuch publizieren.

 

Und ihr verkauft eure Bücher in Spanien, Katalonien und Lateinamerika?

Ja, und in den USA. Wir haben verschiedene feste Vertriebe, vor allem Chile, Uruguay und die USA funktionieren so sehr gut. Peru geht auch gut, Mexiko funktioniert zur Zeit leider nicht so. Einige der anderen, kleineren Länder laufen über einen spanischen Exportvertrieb; z.B. aus Equador kommen immer mal wieder Bestellungen von kleineren Mengen, der Vertrieb sammelt die dann alle und macht irgendwann einen Container fertig. Das dauert natürlich dann auch gerne 7 oder 8 Monate, bis man da mal Geld bekommt. Was aber auch sehr interessant ist: Wenn bestimmte Titel dort in das offizielle Schulbuchprogramm übernommen werden, dann werden günstige Sonderausgaben dazu hergestellt, aber das sind dann eben auch sehr viele.

 

Wie lange dauert es, bis neue Bücher von euch in Equador im Buchladen liegen?

Naja, 2 bis 3 Monate dauert es schon. In den USA geht es natürlich schneller. Dafür gibt es dort dann andere Probleme, nämlich inhaltliche – wehe, da raucht jemand im Buch, oder trinkt ein Glas Rotwein oder es steht Alkohol irgendwo herum, oder man sieht einen Busen oder so. Das wird dann alles sehr gerne geändert. Aber wir ändern nichts im Buch, der Vertrieb in den USA nimmt es dann einfach nicht mit in seine Auslieferung. Unser Bestseller »Explica-m'ho« etwa, ein Aufklärungsbuch, das auf Deutsch als »Klär mich auf« erschienen ist, das wird überall in Lateinamerika verkauft, in den USA nicht. Ok, man sieht darin alles, Geschlechtsteile und so, aber es ist eben auch ein Aufklärungsbuch. In den USA werden ja zum Teil jetzt schon Bücher aus Bibliotheken genommen, weil das Wort »gay« darin vorkommt.

 

Welche Trends beobachtest du aktuell im Kinderbuch?

Aktuell sind Kindercomics sehr im Kommen. Auch schon für die Kleinsten. Und nicht die klassische Art Comic, sondern alle möglichen Geschichten werden ins Comicformat übertragen, damit man die Kinder zum Lesen bringt. Daneben sind weiterhin die Sachbücher groß, es gibt da so tolle Sachen, ich lerne da auch selbst viel daraus, zuletzt hab ich ein wunderschönes Buch über Quallen gesehen, das kaufe ich mir sofort, sobald es auf Spanisch rauskommt. Das Thema Menstruation war ein Trend, gerade für ältere Mädchen. Wir hatten da mit »El rojo es bello« einen der ersten Titel. Und mit Büchern rund um Umweltschutz und Klimawandel sind die Läden natürlich voll.

 

 

In Alagón bei Saragossa sitzen Apila Ediciones, ein Kinderbuchverlag, der sich ausschließlich auf illustrierte Bücher spezialisiert hat. Im Zoom-Gespräch erzählen uns Raquel Garrido, Eduardo Flores und Sergio Vilchez von ihrer Arbeit.

 


 

Danke, dass ihr euch Zeit für ein Zoom-Gespräch genommen habt! Ihr habt den Verlag 2007 gegründet und hattet gerade 15-jähriges Jubiläum. Könntet ihr uns ein wenig von euren Programmschwerpunkten aus den letzten Jahren erzählen? 

Wir sind ein Team von fünf Personen und machen nur illustrierte Kinderbücher, die wir inhaltlich und aber auch bezüglich der Illustrationen als qualitativ wertvoll erachten. Unser Wunsch ist natürlich, dass Kinder durch unsere Bücher wachsen. Das heißt nicht, dass es am Ende immer eine »Message« geben muss, aber wir finden es gut, etwa über Fragen der Umwelt aufzuklären oder generell dort einzugreifen, wo Kinder Fragen stellen. Und Kinder sollen mit unseren Büchern die Möglichkeit haben, einfach ein wenig träumen zu können. 

 

Wir haben jetzt von vielen Verlagen mitbekommen, dass sie in mehreren Sprachen publizieren. In welchen Sprachen erscheinen eure Bücher?

Auf Spanisch, manche Titel auf Katalanisch und manche auch auf Englisch. Und dann verkaufen wir natürlich unsere Bücher auch ins Ausland, dort sind wir in mittlerweile über 15 Sprachen vertreten. 

 

Anders als viele Verlage sitzt ihr ja nicht in Barcelona oder in Madrid, sondern in einer Kleinstadt in der Nähe von Saragossa. Stellt euch die Tatsache, dass ihr nicht in einer Großstadt seit, für eure Arbeit vor besondere Herausforderungen?

Wir haben festgestellt, dass nicht die geografische Position eine Rolle spielt, sondern eher welche Position man im Kinderbuchmarkt hat. Und natürlich mit den digitalen Mitteln kann man mittlerweile von überall aus einen Verlag führen. Uns ist es einfach wichtig, dass unsere Bücher egal wo durch ihre Illustrationen im Buchhandel auffallen. 

Es gibt zwar Unterstützung für Verlage in den großen Städten, also in Barcelona oder in Madrid, aber wir haben festgestellt, dass es gar nicht so viel ausmacht, wenn man das nicht hat.

 

 

Nehmt ihr Trends im Kinderbuchmarkt wahr? 

Wir haben das Gefühl, dass viele Bücher hier schon fast Ratgeber für Kinder sein sollen. Also, die sollen bei Themen wie zum Beispiel Mobbing helfen. Wir haben manchmal das Gefühl, dass die Bücher zu sehr eine »Message« verbreiten wollen, es ist zu moralisch und macht gar nicht in erster Linie Spaß. Wir wollen eher, dass es keine Grenzen der Themen gibt. Und wir finden es für uns auch wichtig, nicht nur Kinderbücher zu machen, die gerade in den Trends thematisch passen. Also wir nehmen die Trends wahr, aber wir richten uns nicht allzu sehr nach denen. Wie ist es bei euch in Deutschland? 

 

Wir haben das Gefühl, dass es Themen wie Feminismus, Rassismus oder Umweltschutz gibt, aber eher für ältere Kinder. Aber den Trend nehmen wir auch wahr. Kauft ihr denn eigentlich auch Bücher aus dem Ausland ein, oder macht ihr nur eigene Bücher? 

Wir machen nur eigene Bücher. 

 

Wie waren denn eigentlich die letzten zwei Jahre mit Corona und allem für euch? 

Fantastisch! Dadurch, dass draußen viel nicht ging, waren viele Kinder zu Hause und haben gelesen. Das war natürlich förderlich für uns.

 


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