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Sagt mal, Messepiratinnen, wie wollt ihr die Buchmesse entern?

von Nefeli Kavouras

Vor unserer Spanienreise recherchierte ich, inwieweit sich denn die spanische Literaturlandschaft auf den Buchmessengastlandauftritt in Frankfurt im Oktober 2022 vorbereitet. Da aber alle Details erst im Juni bekanntgegeben werden, fand ich nicht viel heraus, stieß allerdings auf einen Literaturpodcast, den ich spannend fand, obwohl ich kein Wort darin verstehe. In Messepiratinnen führen die beiden Autorinnen Silvia Nanclares und Silvia Herreros de Tejada ihre Zuhörer*innen zur Frankfurter Buchmesse 2022. Sie sprechen mit anderen Autor*innen und mit Menschen aus der Literaturszene (aus Spanien und aus Deutschland), sie suchen nach Gemeinsamkeiten und nach Unterschieden und bekommen dadurch einen tiefen Einblick in die aktuelle Gegenwartsliteratur. 

Der Podcast, der vom Goethe-Institut Spanien produziert und organisiert wird, macht also im Grunde schon seit Oktober das, was ich hier auf der Reise auch lernen wollte. Deswegen hat es mich sehr gefreut, mich mit den Organisator*innen des Goethe-Instituts Madrid und Barcelona, Anna María Ballester Bohn, Lupe Garcia und  Johannes von Stritzky, über Zoom austauschen zu können. 

 

Quelle: Goethe Institut Spanien
Quelle: Goethe Institut Spanien

Liebe Anna, liebe Lupa, lieber Johannes, danke, dass ihr euch heute Zeit für uns genommen habt! Könntet ihr uns vielleicht direkt erzählen, wie ihr darauf gekommen seid, einen spanischen Podcast zur Frankfurter Buchmesse 2022 zu machen? 

Normalerweise bewirbt ja das Goethe Institut deutsche Kultur im Ausland, deswegen ist der Spanische Gastlandauftritt in Frankfurt für uns eine umgekehrte Perspektive. Also mussten wir jetzt erst einen Ansatz finden, wie man beides zusammenbringen kann. Bei diesem Projekt, also dem Podcast, ist es also eher untypisch für uns gelaufen, denn der Podcast ist ja auch auf Spanisch, der Fokus liegt also auf Spanien, dient aber dennoch dem deutsch-spanischen Austausch. Wir wollten auch eh schon seit einiger Zeit Podcasts ausprobieren, das bot sich dann zusätzlich an. Irgendwann stand im Raum, dass wir in einem Podcast über spanische und deutsche Autor*innen sprechen wollen und, dass man das aber thematisch aufzieht. So kam dann nach und nach das Konzept zustande, das vor allem darin besteht, dass wir für den Podcast Themen suchen, die relevant für zeitgenössische spanische und deutsche Literatur sind. 

 

Und was für Themen sind das?

Uns war es wichtig, dass es im Podcast nicht nur um einzelne Akteur*innen der Literatur geht, sondern dass anhand dieser einzelnen Personen immer ein Thema literarisch erfasst werden kann. Es geht um Kolonialismus, über eine verschiedene Form der Poesie, es geht um die Vielsprachigkeit innerhalb Spaniens, um Graphic Novels und und und. 

  

Warum eigentlich der Name Messepiratinnen? 

Es gibt einen spanischen Popsong aus den 90er-Jahren, der heißt übersetzt »Ich hab mich auf eine Party eingeschlichen«, im Original »Me cole en una fiesta«, und daraus haben die Autorinnen »Ich hab mich in eine Messe eingeschlichen« gemacht; die Rahmenhandlung ist, dass sie als spanische Autorinnen nicht dazu eingeladen worden sind, auf die Frankfurter Buchmesse zu kommen, und sie sich eben immer wieder humorvoll fragen, wie das denn sein kann. Damit spielen sie also, dass sie sich literarisch der Buchmesse annähern wollen. Durch dieses Party-Element des Lieds kommt immer auch etwas Festives mit rein, damit das Ganze als Literaturpodcast nicht so steif wirkt. Die beiden sind mal in einer Bar, oder auf einer Aftershowparty, man ist irgendwie gerne mit dabei als Zuhörer*in. 

 

Gab es schon einmal einen solchen Podcast in Spanien? 

Nicht ganz, aber wir haben uns für die Grundidee von einem anderen Podcast inspirieren lassen. Es gibt dieses Indie-Radio »Carne Cruda«, das ist sehr etabliert und war früher beim Öffentlichen Rechtlichen, mittlerweile ist es aber ein selbstfinanziertes Radio. Und die haben monatlich einen Literaturpodcast, der auch von Silvia Nanclares und Silvia Herreros de Tejada geführt wird, die jetzt auch unseren Podcast machen. Messepiratinnen ist also ein Spin-off davon. 

 

Welche Herausforderungen entstehen bei den Aufnahmen?

Es ist gar nicht so leicht, deutsche Gegenwartsliteratur zu finden, die schon ins Spanische übersetzt worden ist. Denn natürlich müssen Silvia Nanclares und Silvia Herreros de Tejada ja dazu in der Lage sein, den Text zu lesen. Da würden wir uns schon manchmal wünschen, dass die Bücher schneller übersetzt werden. Es ist schon witzig, es gibt zum Beispiel hier in Spanien viel Literatur zur Genderdiversität und auch in Deutschland gibt es ja viel dazu. Es wäre doch schön, wenn die Autorinnen und Autoren gemeinsam in den Diskurs kommen und einander lesen könnten. Deswegen würden wir uns wünschen, dass sich zukünftig dort etwas ändert. Wenn wir zum Beispiel sehen, welche Bücher am meisten in die jeweils andere Sprache übersetzt werden, dann sind es vor allem die Klassiker. Dabei gibt es doch gerade von jungen Autorinnen und Autoren spannende Texte! 

 

Und wie ist dann so eine Podcastfolge aufgebaut? 

Wir organisieren den Podcast zu fünft und entscheiden uns gemeinsam für die Themen. Der Podcast wird monatlich aufgenommen, es gibt aber manchmal auch Pausen. Es gibt ein Hauptinterview mit einem Gast, und aber auch Rubriken, wie »First Dates«, oder »Herr Professor Doktor spricht«, und so weiter. 

  

Und den Podcast kann man auf den üblichen Kanälen hören? 

Ja, also auf Spotify, Deezer, und eben auf allen Kanälen, aber auch auf unserer Webseite. Hauptsächlich wird er auf Apple gehört. Was wir merken, ist, dass wir es geschafft haben, eine treue Hörerschaft aufzubauen. Wir merken aber auch, dass die Hörerschaft von den jeweiligen Gästen abhängig ist, manche kommen durch Gäste neu dazu, und viele bleiben dann auch. Das freut uns. 

 

Wenn ich Spanisch könnte, würde ich in jedem Fall auch den Podcast hören! Danke für das schöne Gespräch! 

 

In der aktuellen Folge sprechen die beiden Autorinnen über neue Literaturformate. Außerdem hatten sie unter als Gäste Ken Yamamoto, Juliana Kálnay oder auch Hartmut Rosa. 

 

Wir wünschen Silvia Nanclares und Silvia Herreros de Tejada viel Glück beim Versuch, die Buchmesse doch noch zu entern! 


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