Blog 2011

15 Jahre!

Unglaublich. Heute ist es genau 15 Jahre her, dass wir unsere allererste Lesung organisiert haben: Der Club der lebenden Dichter #1 fand am 25.10.1996 im hessischen Hainstadt statt, im dortigen Jugendkulturzentrum "Häuschen".

Vor ca. 60 Zuschauern eröffneten wir dramatisch (wie die 90er-Jahre eben waren) mit einem Zitat von W.C. Williams: "Hold back the edges of your gowns, Ladies, we are going through hell ..."

 

Peter Reichenbach und Daniel Beskos lasen eigene Texte vor - wir hatten aber auch Freunde mitgebracht: Christian Löbig mit seinen Kurzgeschichten, Til Stolz las Gedichte, Jens Jekewitz alles querbeet. Mit über 50 Gästen war der kleine, schlechtbeheizte Partyraum des "Häuschen" völlig überfüllt und alle waren angetan von dieser sonderbaren Idee, eine "Lesung" zu veranstalten.

Aus diesen und anderen Lesungen ging dann ca. 3 Jahre später auch der mairisch Verlag hervor. In den 15 Jahren, die seitdem vergangen sind, haben wir und vor allem natürlich unsere Autoren und Musiker fast 1000 Lesungen und Konzerte veranstaltet.

 

Zum Jubiläum haben wir hier einige der Highlights rausgesucht und auch nach Bildern gegraben. Viel Spaß!

 

Die "Reisausz"-Touren 1996-2002

Neben den regelmäßigen Lesungen in unserer hessischen Homebase waren wir auch viel unterwegs als "Reisausz-Kollektief" (zusammen mit Jens Jekewitz) und haben eigentlich überall gelesen, wo es ging - im alten Leipziger Kino, in Berliner Galerien, bei diversen Poetry Slams und Open Mikes, auf dem besetzten Bauwagenplatz in Darmstadt, im Frankfurter Radio, bei den tollen Release-Lesungen der Literaturzeitschrift "Der verreckte Sauhund" und in einer Aachener Tankstelle.

Transit, Kaffee.Satz.Lesen und Machtclub 2003-2008

Mit dem Umzug nach Hamburg lernten wir die Lesungsbegeisterung des Hamburger Publikums und vor allem die wunderbare Lesungslandschaft kennen, die es um 2003 herum dort gab: Mit Kaffee.Satz.Lesen und dem Machtclub gab es zwei große Lesungsformate, die monatlich Hunderte Besucher anzogen und Lesungen auch einem jüngeren Publikum wieder schmackhaft machten. Wir ergänzten das Bild dann mit unserer eigenen Reihe Transit, die wir mit unseren Kollegen von Minimal Trash Art veranstalteten - und so konnte man damals jede Woche zu einer Lesung gehen, andere Autoren und Veranstalter kennen lernen, und sich überhaupt sehr lebendig übers Schreiben und Veranstalten austauschen.

Buchmessen, Feste und Preise 2006-2011

2006 bekamen wir für unser Verlagsprogramm und auch nicht zuletzt für die Lesungsreihe Transit den Hamburger Verlagspreis. Aber auch unsere Autoren gewannen einiges an Preisen - z.B. bekam Michael Weins zwei Mal den Hamburger Literaturförderpreis, Andreas Stichmann gewann u.a. den Clemens-Brentano-Preis und den Kranichsteiner Förderpreis, Finn-Ole Heinrich bekam u.a. den Nicolas-Born-Förderpreis des Landes Niedersachsen und Hannes Köhler ist derzeit Stadtschreiber in Kitzbühel.

Bei den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig waren wir in den letzten Jahren immer dabei - zumeist gut erkennbar an unserer Omatapete, die es zuletzt sogar in die Messezeitung der FAZ geschafft hat. Hier ein paar Bilder:

Neue Formate

Im Herbst 2009 erschien mit "Monsieur, der Hummer und ich" von Stevan Paul ein Erzählband, der auch Rezepte enthielt - da bot es sich natürlich an, die Buchpremiere als Lesung mit Menü zu gestalten. Das wurde mehrmals im Hamburger Restaurant "Nil" gemacht, später dann auch in diversen Restaurants in ganz Deutschland und sogar in der Hamburger Katharinenkirche im Rahmen des HarbourFront-Festivals. Fotos unten.

Seit 2009 veröffentlichen wir zunehmend auch Musik im Verlagsprogramm - nach dem Bookends-Sampler dann vor allem die Alben von Spaceman Spiff und seine gemeinsamen Arbeiten mit Finn-Ole Heinrich. Aus diesen Veröffentlichungen gingen auch neue Veranstaltungsformate hervor - zum Beispiel die Lesungs-/Musik-Tour "Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf" im Dezember 2010, die im Dezember 2011 fortgesetzt wird.

Wir danken allen Fotografen der Bilder, den Veranstaltern der Lesungen und unseren Autoren und Musikern. Und natürlich Stefanie Ericke-Keidtel, Judith Henning, Silke Schipper und Judith von Ahn.



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Lee Rourke - "Der Kanal"

Ladies and Gentlemen – we proudly present: Der Kanal

 

"Ein tiefgründiges, manchmal aufwühlendes und berührendes Debüt. Es ist die ausgewogene Balance zwischen Zerstreuung und großer Spannung, die das Buch zu einem starken und bemerkenswerten Roman macht." (The Independent)


Lee Rourke

Der Kanal

Roman

Hardcover mit Überzug aus Naturpapier, geradem Rücken, geprägtem Titelschriftzug, blauem Lesebändchen und azurblauem Vorsatzpapier.

232 Seiten | 17,90 €

ISBN 978-3-938539-20-0

Oktober 2011
Bestellen im mairisch Shop

 

 

Auch als E-Book erschienen:

itunes

Amazon Kindle

Textunes

Wir freuen uns riesig, mit Lee Rourkes Debüt die erste Übersetzung unserer Verlagsgeschichte im Programm zu haben. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir dieses Buch für besonders lesenswert halten. Aber auch die Auszeichnungen, die es bisher bekam, sprechen dafür: 2010 bekam es den Not the Booker Prize des Guardian, und derzeit ist es nominiert für den Preis der Hotlist 2011. (An dieser Stelle übrigens ein Dankeschön an KJD für den Tipp!)

 

Inhalt

London, England. Ein junger Mann beschließt eines Morgens, nicht wie gewohnt zur Arbeit zu gehen, sondern sich auf eine Bank am Regent’s Canal zu setzen: Aus Langeweile.
"Manche Leute halten Langeweile für etwas Schlechtes, das vermieden werden sollte, und meinen, dass man das Leben mit allem möglichen Zeug anfüllen sollte, nur um die Langeweile in Schach zu halten. Das denke ich nicht. Ich halte Langeweile für etwas Gutes; sie formt uns und treibt uns an. Langeweile ist machtvoll."
Seine besinnliche Situation auf der Parkbank erfährt jedoch eine unerwartete Wendung, als sich eine junge Frau zu ihm setzt. Sie verrät ihm nicht einmal ihren Namen - und erzählt ihm dennoch nach und nach ihre erschütternde Geschichte.

 

Ein eindringliches Debüt aus dem heutigen London über Liebe, Langeweile, Gewalt, Verantwortung - und ja, tatsächlich, über den Sinn des modernen Lebens. Angesiedelt im Stadtteil Hackney, der ja nicht zuletzt durch die Ausschreitungen im Sommer 2011 vielen ein Begriff geworden sein dürfte.

 

Übersetzung
Roberta Schneider
hat den Titel für uns ins Deutsche übersetzt und ist dafür extra nach London geflogen, um Lee Rourke zu treffen, mit ihm über den Text zu sprechen und sich die Schauplätze des Romans anzusehen. Hier ein paar ihrer Fotos:

Cover

Zum Cover- Foto von Nicholas Ridley selbst sagt Lee: „It‘s the exact spot!“ – Und tatsächlich kann man das Buch auch ein wenig als London-Reiseführer missbrauchen und eine touristenfreie, verdammt hübsche Gegend entdecken. Natürlich mit Kanal, Boten, wütenden Radfahrern, noch wütenderen Jugendlichen und Gänsen … 

 

Autor

Lee Rourke (*1972) lebt als Autor und Literaturkritiker in London. Er zählt zu den Autoren der Offbeat-Generation. Er schreibt regelmäßig für The Guardian, The Independent, The Observer und andere. Er ist Mitherausgeber des 3:AM Magazine. Mehr zu ihm findet sich auf seiner Website: leerourke.blogspot.com

Die Autorenfotos wurden von Jonathan Winstone in einem Café auf der berühmten Brick Lane gemacht. Jonathan selbst ist nicht nur Fotograf, sondern auch eine wichtige Figur der englischen Fixed-Gear-Szene, ein Blick auf seine Website lohnt sich aber nicht nur für ambitionierte Radfahrer:  www.jonathanwinstone.co.uk

 

"Der Kanal" erscheint heute. Bestellen kann man ihn überall im Buchhandel, am liebsten natürlich in unserem Shop.


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Michael Weins: "Lazyboy"

Liebe Leute.

Das ist Michael Weins. Er hat einen neuen Roman geschrieben, "Lazyboy".

Michael selbst sagt darüber, bescheiden wie er ist:  "Er erscheint mir recht gelungen."
Unser Lieblingsbuchhändler sagt: "Echt lecker - surreal im Stile von Matt Ruff oder Haruki Murakami, um Mal eben mit zwei der ganz Großen aufzuwarten."
Wir sagen: "Lazyboy" ist das beste Buch von Michael Weins. Mindestens.


Fürs Cover haben wir ca. 110 Entwürfe gebaut. Kein Witz. Dieser hier gefiel allen am besten.

Und so sieht's jetzt also aus:

Im Roman geht es um Heiner Boie, genannt Lazyboy.  Er geht durch Türen. Doch im Gegensatz zu anderen Leuten bringen sie ihn manchmal nicht in den angrenzenden Raum, sondern ganz woanders hin: Mal an ihm wohlbekannte Orte, mal an Plätze, die er nie zuvor gesehen hat. Zwar kann er das Ganze nicht kontrollieren und fühlt sich eher als Anti-Superheld, findet aber Gefallen an seinen Fähigkeiten.

 

So fängt das Buch also locker an, man glaubt sich auf vertrautem Terrain, Michael Weins lotst seine Hauptfigur gewohnt souverän und witzig durch die ersten Kapitel. Doch dann nimmt das Ganze eine überraschende Wendung: Lazyboy lernt bei einem seiner Türensprünge die 13-jährige Daphne kennen. Und die kann das auch, mit den Türen. Sie hat in ihrem Keller sogar selbst so eine Tür, die nicht das macht, was sie soll.

 

Und natürlich geht Lazyboy hindurch, durch diese Tür. Es verschlägt ihn an einen Ort, an dem er anscheinend eine wichtige Aufgabe hat - denn hier geht die Geschichte erst richtig los. Die Karte im Buch verrät da vielleicht schon ein bisschen:

"Lazyboy" ist mehr als nur zeitgemäße, aktuelle Literatur - es ist zugleich auch eine Hommage an das fantastische Erzählen im Allgemeinen, mit allen Assoziationen, die das mit sich bringt. Aber natürlich nur den Guten. Oder wie Michael Weins auf seiner Webseite schreibt: "Solche Bücher möchte ich hinterlassen, als Autor, die für andere das sind, was Lese-Erlebnisse für mich waren. Treppen. Vehikel. Spiegel. Vergrößerungsgläser. Drogen. Fluggeräte. Liebevolle Hände. Abenteuer. Schönheitsfarmen. Vor allem Schönheitsfarmen. Das wäre groß."

 

Hier könnt Ihr schon mal in "Lazyboy" reinlesen:

Download
michael_weins_lazyboy_leseprobe.pdf
Adobe Acrobat Dokument 757.3 KB

Wer wissen will, wie es weitergeht - einfach hier in den Shop klicken.

Weitere Ansichten vom Buch, ist ja so schick geworden - mit grünem Lesebändchen und geprägtem Titelschriftzug:

Viel Spaß. Und Danke.



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The Story behind ... "In Spuren"

Hannes Köhler - (c) Florian Mey
Hannes Köhler - (c) Florian Mey

Diesen Monat erscheint im mairisch Verlag "In Spuren" - der Debütroman des Berliner Autors Hannes Köhler.

 

Der Roman beginnt mit einem Witz. Jakobs bester Freund Felix verlässt die fröhliche Runde, um Zigaretten holen zu gehen – und kommt nicht mehr zurück. Das Lachen vergeht, als Felix verschwunden bleibt. Jakob begibt sich auf Spurensuche. In Felix’ Wohnung stößt er auf dessen Tagebuch, das eine seltsame und verstörende Wirkung auf ihn ausübt, denn es enthält nicht nur die Wahrheit über den Freund, sondern auch Variationen des eigenen Lebens.

 

Wir haben Hannes Köhler einige Fragen zum Buch gestellt:

 

„In Spuren“ ist kein Berlin-Roman. Trotzdem spielt der Roman in Berlin und einige reale Orte werden eingehend beschreiben. Was war der Grund dafür, Berlin so explizit zu nennen, welche Rolle spielt Berlin als Stadt für Dich?

Berlin ist die Stadt, in der ich seit zehn Jahren lebe und die natürlich einen großen Einfluss auf mich gehabt hat. Ganz konkret gibt es im Roman aber viele Orte, die vielleicht nicht meiner täglichen Umgebung angehören, an denen ich mich aber gut bewegen konnte, beobachten - Stimmungen aufnehmen. Und ich denke, dass diese Orte gut zu den Lebenswelten meiner Figuren passen, dass die Orte also nicht Selbstzweck sind, sondern eine bestimmte Realität der Handelnden spiegeln. Ich denke aber, dass der Roman – wenn auch in geänderter Form – natürlich auch in anderen Großstädten, wie Hamburg oder München hätte spielen können.

 

Du hast eine Zeit lang in Frankreich gelebt. Spielt diese Zeit eine Rolle im Roman?

Ja, sicher. Frankreich ist schon seit den Urlauben als Kind immer ein Sehnsuchtsort für mich gewesen. Dort zu leben, zu studieren – oder eben nicht zu studieren, weil die Uni bestreikt wurde – war immer mein Wunsch. Im Rückblick war das Jahr dort eine Zeit großer Freiheit, neuer Erfahrungen, vielleicht auch eine Zeit, in der ich mich teilweise neu erfinden konnte. Ich denke, dass beide männliche Hauptfiguren davon beeinflusst sind – Felix ganz konkret, da Frankreich für ihn ebenfalls der Sehnsuchtsort zu sein scheint, und Jakob vielleicht in seinem ganz speziellen Versuch, sich neu zu erfinden.

 

Du organisierst seit ein paar Jahren eine eigene Lesereihe in Berlin. Wie ist das, jetzt von der Seite des Organisators auf die Seite der Lesenden zu wechseln?

Es ist ein spannender und schöner Wechsel, wobei ich natürlich einerseits die Lesereihe "Schoenegeisterschau", die ein Freund und ich in Berlin veranstalten, weiterhin mitorganisieren werde, und ich andererseits natürlich auch vorher schon mal hier und dort selbst gelesen habe. Aber jetzt, mit einem Roman, fühlt es sich ganz anders an. Und die Aufregung ist eine andere; sie bezieht sich auf das Vorlesen, die Reaktionen des Publikums – aber ich muss mir nur um mein Buch und meinen Auftritt Sorgen machen, nicht darum, ob die Band ihre Technik vergessen hat oder der eingeladene Autor zu spät kommt.

 

In Spuren ist in gewisser Weise ein Brief- und Tagebuchroman. War das eine bewusste Entscheidung, spielen literaturtheoretische Gesichtspunkte für Dich dabei eine Rolle?

Sie haben  nicht von Beginn an eine Rolle gespielt, eher zwischendurch und dann immer mal wieder. Es waren zuerst ganz praktische Gesichtspunkte – wie kann Jakob die Spur von Felix aufnehmen – und wie kann Felix umgekehrt mit Jakob in Kontakt treten – und soll er das überhaupt tun? Gerade über die letzte Frage habe ich sehr lange nachgedacht ...

Als ich diese Wahl, Tagebuch und Brief bzw. Postkarte, dann einmal getroffen hatte, war natürlich klar, dass es eine große Menge an Vorbildern, Vorgängern und auch theoretischen Überlegungen dazu gibt. Ich habe mich zuerst eher an anderen Prosatexten und Romanen orientiert und mir dann die Frage gestellt, ob und wie Tagebuch und Postkarte in einem zeitgenössischen Roman, in dem es ja auch um mehr oder minder junge Menschen geht, noch adäquates Mittel sein können.

Grundsätzlich würde ich  eher sagen: Die Figuren und ihr Thema haben sich einen Weg gesucht ihren Stoff zu vermitteln, und auf diese Vermittlung habe ich mich konzentriert – Literaturhistorisches und –theoretisches hat eher einen Hintergrund vermittelt, vor dem ich ja etwas Eigenes und Neues schaffen wollte.

Hannes Köhler
In Spuren
Roman
Hardcover
232 Seiten

Alle offiziellen Infos zum Buch

Und ab sofort kann man es auch bestellen - überall im Buchhandel, am liebsten natürlich aber über unseren Shop.

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